RP Online: “Start frei für das Doppel-Wahljahr 2017”

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Kreis Kleve. | Unwahrscheinlich, dass die CDU-Landtagsvertreter aus dem Kreis ihre Mandate verlieren. Spannender ist die Frage, wer in den Bundestag kommt: Schafft Barbara Hendricks diesmal ein Direktmandat? Stefan Rouenhoff will das verhindern. Von Anja Settnik

Stefan Rouenhoff aus Goch ist der Gegenkandidat der CDU und Nachfolger Ronald Pofallas im Kreis Kleve.

Seit genau einem halben Jahr ist bekannt, wer versuchen wird, der profiliertesten Politikerin im Kreis Kleve, Dr. Barbara Hendricks von der SPD, die Suppe zu versalzen, in der sie seit so vielen Jahren rührt: Stefan Rouenhoff aus Goch ist der Gegenkandidat der CDU für die nächste Bundestagswahl. Die im Kreis Kleve erfolgsverwöhnten Christdemokraten hatten den plötzlichen Rückzug Ronald Pofallas aus der Politik nur mühsam geschluckt und sich schwer damit getan, einen Nachfolger auszuwählen. Dass es der 38-jährige Gocher wurde und nicht Christoph Gerwers aus Rees, auch nicht Matthias Reintjes aus Emmerich und schon gar nicht Tammo Eilers aus Issum, war durchaus eine Überraschung. Denn nur wenigen war der Gocher gut bekannt. Dagegen arbeitet er nun seit Juli an – mit voller Kraft.

Rouenhoffs noch nicht ganz so großer Bekanntheitsgrad lässt die Sozialdemokraten im Kreis hoffen, dass endlich geschehen könnte, was bisher weit entfernt von allem Denkbaren lag: “50 plus X” für Barbara Hendricks. Denn die Kleverin ist Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, also mit wichtigen Zukunftsthemen befasst und in allen Medien regelmäßig präsent. Zudem kennt sie im Kleverland, wo sie ihren Wahlkreis intensiv pflegt, nahezu jeden. Von ihren Genossen hatte sie sich nach kurzer Bedenkzeit einmal mehr als Kandidatin für die Bundestagswahl aufstellen lassen. Die Frau, die die Kreis-SPD von 1989 bis 2014 anführte, ist daran gewöhnt, bei den Erststimmen besser abzuschneiden als ihre Partei bei den Zweitstimmen. Aber gewonnen hat sie den Kreis noch nie.

Stefan Rouenhoff, der für die EU als Handelsattaché in Brüssel arbeitet, nutzt seit Monaten jeden freien Tag, um die 230 Kilometer zwischen der europäischen Hauptstadt und Goch (wo er inzwischen auch Chef des CDU-Stadtverbands ist) zu überwinden. Dann besucht er nicht nur die Parteifreunde zwischen Emmerich und Straelen, sondern auch viele andere Gruppierungen, Bürgermeister, Wirtschaftsförderer, Firmen. Zwischendurch vermeldet er noch ein Vieraugengespräch mit Bundesfinanzminister Schäuble. Seine Botschaft: Vor Ort präsent, gut vernetzt und in der großen Politik zuhause – das kann doch für die Bürger im Kreis nur vorteilhaft sein? Anders als seine Widersacherin, die über die Landesliste abgesichert sein wird, braucht er für den Sprung nach Berlin ein Direktmandat.

Norbert Killewald, der Barbara Hendricks als Vorsitzender des Unterbezirks beerbt hat, möchte eher an “seine” Ministerin glauben. “Wir setzen auf Sieg und nicht auf Platz”, hatte er schon im Sommer ausgerufen. Seit November steht das SPD-Trio für das Wahljahr 2017 auch offiziell: Killewald aus Kevelaer und Thorsten Rupp aus Emmerich kandidieren für den Landtag, ihre CDU-Mandate verteidigen Dr. Günther Bergmann aus Kalkar und Margret Vosseler aus Issum. Wenn es am 14. Mai um die Sitze im Landtag geht, möchten auch Stephan Haupt aus Bedburg-Hau und Ben Dinklage aus Geldern gut abschneiden – sie treten für die Liberalen an. Birgitt Höhn, Platz 39 auf der Landesliste, geht für die Grünen ins Rennen.

Voraussichtlich am 17. oder 24. September wollen dann Prof. Ralf Klapdor (FDP) aus Uedem und Bruno Jöbkes, Grüner aus Wachtendonk, den Kandidaten der großen Parteien ein Stück vom Kuchen wegnehmen. Auch die Linke stellt Direktkandidaten auf: Mario Krude aus Geldern und Herbert Derksen aus Kleve. Und auch die AfD will mitmischen: Detlef Küsters und Christoph Kukulies heißen ihre Kandidaten.

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